Agenda

Wir sind KORG!

Vor dem Hintergrund einer global wie auch national fortschreitenden Urbanisierung gewinnen zukunftsfähige Freiraumstrategien zur Sicherung und Weiterentwicklung von Freiraum und Landschaft immer mehr an Bedeutung. Landschaft und Natur sind bedeutende Standortfaktoren.

Die Konferenz der Regionalparks und Grünen Ringe (KORG) ist ein seit 2012 bestehendes informelles Netzwerk von (Stadt)Regionen auf Bundesebene. Die hier Beteiligten haben in den vergangenen Jahrzehnten strategische Freiraumstrategien in Form von Regional- oder Landschaftsparks, Grünen Ringen oder Grüngürteln aufgebaut und etabliert. Diese stehen in der Regel komplementär zu den formalen Planungsebenen und -instrumenten und unterstützen diese proaktiv. Ziel ist die Stärkung der Freiraumbelange im Sinne einer multifunktionalen Landschaftsentwicklung für Mensch, Natur und Klima als Landschaft zum Leben.

Je nach spezifischer Ausgangslage sind die im Netzwerk vereinten Städte und Regionen organisiert beziehungsweise institutionalisiert und haben unterschiedliche inhaltliche Schwerpunkte.

Neue Anforderungen für stadtregionale Freiräume

Während der Umgang mit Freiräumen in den Innenstädten etabliert ist und kontinuierlich weiterentwickelt wird, fehlen für die Landschafts- und Freiräume am Stadtrand und im regionalen Kontext oftmals Leitbilder und Motoren der Entwicklung und Qualifizierung. Und dies, obwohl sich dort zumeist die größten und wertvollsten Freiräume befinden und diese in hohem Maße identitätsstiftend sind.

Zugleich werden an diese Landschafts- und Freiräume infolge gesellschaftlicher Transformationsprozesse neue Anforderungen und diversifizierte Nutzerinteressen gestellt, die nicht an politischen Grenzen und Zuständigkeiten Halt machen.

Über Naherholung und Freiraumschutz hinaus sollen sie der Anpassung an die Klimafolgen, der sozialen Integration sowie der Gesundheit dienen, Angebote der Umweltbildung und für eine veränderte Mobilität vorhalten aber auch regionale (landwirtschaftliche) Produktion ermöglichen. Kurzum: Freiräume sollen zu multifunktionalen „Alleskönner-Flächen“ werden!

Akteure auf allen Ebenen sind gefordert

Hierfür sind die administrativen und politischen Voraussetzungen für ein abgestimmtes Handeln häufig unzureichend. Dabei sprechen sowohl die von Deutschland nicht ratifizierte europäische Landschaftskonvention, als auch die 2013 weiterentwickelten Leitbilder und Handlungsansätze für die Raumentwicklung in Deutschland. Der Entwicklung von großräumigen Freiraumverbünden und der Gestaltung von Kulturlandschaften kommt auf regionaler Ebene eine wichtige Bedeutung zu.

Die vorliegende Broschüre eröffnet zum einen den Blick auf die zahlreichen und vorbildlichen Aktivitäten der Partner, zum anderen soll sie dazu beitragen, Politik, Verwaltung und zivilgesellschaftliche Akteure zu informieren und zu ermuntern, sich in der Freiraumpolitik weiter zu engagieren.

Gemeinsame Ansätze des KORG-Netzwerks

  • Mit zunehmender Dichte gewinnen die Qualität und Attraktivität von Landschaft und Freiraum an Bedeutung – als zentrale Voraussetzung für urbane Wohn- und Lebensqualität.
  • Freiraumentwicklung ist eine regionale beziehungsweise interkommunale Aufgabe, für die es raumübergreifende und integrierte Ansätze und Strategien braucht.
  • Ein funktionierendes Ökosystem bildet eine wichtige Grundlage der Freiräume, deswegen muss die Stärkung der Biodiversität und die ökologische Aufwertung immer mitgedacht werden.

Wertschätzung, Qualifizierung und Kommunikation

Um die Ziele zu erreichen, gelten folgende übergreifende Grundsätze:
  • Freiraum darf nicht nur als eine von Bebauung freigehaltene Fläche verstanden und gesichert werden, sondern muss aktiv entwickelt und gestaltet werden.
  • Die multifunktionale Bedeutung „grün-blauer Infrastrukturen“ muss künftig auf allen Planungs- und Entscheidungsebenen wesentlich stärker berücksichtigt werden.
  • Mit den Prinzipien Schutz durch (multifunktionale) Nutzung, durch Wahrnehmung und Wertschätzung sowie durch ästhetische Aufwertungen und Gestaltungen sollen den Menschen vielfältige Angebote gemacht werden, die Landschaft vor der eigenen Haustür zu nutzen und zu erleben.
  • Die Leistungen und Mehrwerte der stadtregionalen Freiräume müssen offensiv und zielgruppenspezifisch kommuniziert werden, um die gesellschaftliche wie politische Wertschätzung zu erhöhen.
  • Verknüpfung von Planung und Finanzierung, das heißt umsetzungsorientierte Planung!
  • Für die erfolgreiche Qualifizierung und Umsetzung der Freiraumkonzepte müssen die formalen Planungsinstrumente entsprechend ausgerichtet und gestärkt sowie der Steuerungsmix aus informellen und formalen Planungsinstrumenten besser verzahnt werden.
  • Die administrativen wie politischen Voraussetzungen für die erforderliche interkommunale Zusammenarbeit müssen ausgebaut werden.
  • Zugänge zu Finanzierungsmitteln für eine integrierte stadtregionale Landschaftsentwicklung müssen verbessert und neu entwickelt werden.
  • Die stadtregionalen Freiraumansätze können aufgrund ihrer interkommunalen Struktur zur Vernetzung und Koordination stadtregionaler Akteure und zur Akquisition von Fördermitteln eingesetzt werden.
Diese Ansätze tragen dazu bei, die in der Gesellschaft vorhandene Wertschätzung für Natur und Landschaft auch auf die vermeintlichen „Rest-“ und „Zwischenlandschaften“ zu übertragen, indem diese aufgewertet und aktiv gestaltet werden und ein neues Landschaftsbild für eine urbane Region verankern. Dadurch wird eine regionale Identität geschaffen, ohne die lokale Identität zu überlagern.